Werdegang – Zwischen den Zeilen

Manchmal ist ja viel spannender, was zwischen den Zeilen steht, als das, was man da schwarz auf weiß so lesen kann.

#Werdegang

Chance auf Privatleben

Respektvoller Umgang

Sinnvolle Aufgabe

Der 1. Job – nach dem Studium

Ich wollte gern in einem international tätigen Konzern anfangen. Think big. Am liebsten als Trainee im Marketing. Schließlich hatte ich das studiert und daher wusste ich ja nun auch ganz viel darüber. 6 Monate lang hatte ich durch mein Bewerbungsbemühen nicht mehr als eine große Anzahl an Absagen erreicht, daher stellte sich allmählich die Frage: “Genau so weitermachen oder die Taktik ändern?”. Meine Idee war jetzt also die Suche nach einem Job in der hiesigen Tageszeitung. Ein Inserat von LIDL klang gut: Verkaufsleitung mit eigenem Filialgebiet und ganz viel Verantwortung, Firmenwagen und tollen Karrierechancen. Ich bewarb mich – und bekam den Job.

Was mich erwartete war eine sehr harte Zeit, aber auch eine sehr lehrreiche. Ich profitiere noch heute jeden Tag von den Kompetenzen, die ich bei LIDL lernen durfte und musste.

Die nahezu unbegrenzten Arbeitszeiten ließen mich nach über 4 Jahren nach einem Job suchen, bei dem es möglich erschien, ein Privatleben zu führen. Aber erst einmal eine Weltreise machen…

Der 2. Job – nach der Weltreise

Zurück in der Heimat ging es darum, einen neuen Job zu finden. Einen also, bei dem es geregelte Arbeitszeiten gibt. Es ist nicht das Problem mal 12, 15 oder 19 Stunden zu arbeiten (alles schon gemacht). Man wünscht sich halt nur einen Ausgleich dafür.

Ich suchte online nach einem Job “Marketing/Vertrieb und Oldenburg/Bremen” und fand die Stelle als Projektleitung bei der PMD-Agentur/M-Verlag in Oldenburg. Ich bekam die Stelle und wurde in wenigen Monaten zur Geschäftsleitung befördert. Über 6 Jahre habe ich diese Firma in nahezu allen Bereichen geleitet und sehr viele Erfahrungen gemacht. Viele sehr gute – und natürlich auch nicht so schöne.

Meine Arbeitszeiten waren zwar geregelt, aber mein Bedürfnis nach bestimmten Werten wurde irgendwann nicht mehr erfüllt, so dass ich mich auf die Suche nach einer Stelle machte, die diese Werte besser erfüllen würde.

Der 3. Job – zurück zu alten Bekannten

Da gab es doch diese tolle Treuhand GmbH, bei der ich während des Studiums ein Praktikum gemacht hatte und die einen tollen Umgangston pflegten. Da möchte ich arbeiten! Was suchen die gerade? Unternehmensberater? Prima – das wollte ich auch immer schon einmal machen. Im Vorstellungsgespräch überzeugte ich aber vor allem durch meine riesige Vertriebserfahrung, so dass für mich dann die erste und einzige Stelle einer Vertriebsleiterin geschaffen wurde.

Im Vertrieb – also wenn man neue Kunden anspricht und versucht sie für das eigene Unternehmen zu gewinnen, obwohl der Kunde gar nicht danach gefragt hatte – ist man es gewohnt, Absagen zu erhalten. Etwa 9 von 10 Mal hat der Kunde kein Interesse an der angebotenen Ware oder Dienstleistung. Das kennt und weiß man.

Der Umgangston war fabelhaft, allerdings fehlte es mir an einer von allen Kollegen getragenen “Vertriebsüberzeugung” von innen heraus. So kämpfte ich tapfer, ohne allzu viel erreichen zu können und fragte mich, ob das denn so eigentlich Sinn macht?

Der 4. Job – endlich angekommen

Die Stationen bis hierher lesen sich vielleicht ganz leicht. Dennoch war es ein beschwerlicher Weg, so konsequent seinen Überzeugungen und Werten gefolgt zu sein und trotzdem – oder auch gerade deswegen – bei jedem Job alles gegeben zu haben.

“Sinn” stand nun für mich im Vordergrund und BILDUNG gibt mir diesen Sinn. Was gibt es denn da für Jobs? Berufsschullehrerin, Franchisenehmerin eines Nachhilfeanbieters, Regionalleitung eines Bildungsträgers? Das Dritte wurde es dann. Unfassbar tolle Kollegen haben mir einen riesigen Rückhalt gegeben und tun es noch. Und die Aufgabe, sich um Bildung zu kümmern, war immer noch unbestritten sinnvoll für mich. Leider gab es wiederum berufliche Umstände, die ich schon hinter mir gelassen glaubte … Und bevor ich nun alles verleugnete, wofür ich die letzten 20 Jahren gekämpft hatte, ziehe ich lieber wieder weiter und mache jetzt einfach meine eigene Firma auf.
Aus und weiter.

Anekdoten
(meine absoluten Lieblingsgeschichten aus über 15 Jahren Berufstätigkeit)

Anekdote 1 – “Sie sind nicht zum Denken da”

Als Studentin muss ich mir meine Brötchen verdienen und so arbeite ich bei einer Drogeriekette (die mit der Blüte im Logo) an der Kasse. Nach den ersten Tagen gehe ich ganz aufgeregt zur Filialleitung, weil ich einige Ideen habe, wie sich ganz schnell kleine Verbesserungen im Ablauf erreichen ließen. Ich sage: “Ich hatte beim Kassieren einen Gedanken, wie man …” – die Filialleitung antwortet sehr prompt mit: ” Das Denken überlassen Sie bitte uns – dafür sind Sie schließlich nicht hier.”. Äh, ach so … Also behalte ich meine gute Idee für mich und mache mir ab sofort bei der Arbeit keine Gedanken mehr.

Das Unternehmen hat 2012 für fast 400 Filialen Insolvenz angemeldet.
Nicht-Denken führt also wohl doch nicht zum Erfolg.

Anekdote 3 – “aber Sie sind doch prädestiniert”

Unternehmen haben Unternehmensphilosophien. Die hängen meist in tollem Layout gut sichtbar in den Fluren der Unternehmenszentralen und das ist meist auch schon alles. Ich erinnere mich an eine Philosophie, in der es hieß: “Lob und Kritik sind Bestandteil unserer täglichen Arbeit.” Man beachte, dass das Lob zuerst genannt wurde. Ich hatte meinen Führungsposten nach einigen Jahren gekündigt und bekam dann Besuch vom obersten Geschäftsführer, der wohl meine Beweggründe erkunden wollte. “Wie das denn käme und was man denn falsch gemacht hätte, ich wäre doch schließlich prädestiniert für den Job!”.
“Ach so”, denke ich, denn ich bin ja bisher (wir sprechen über mehrere Jahre) noch nie für meine Arbeit gelobt worden. Kritik hatte es hingegen regelmäßig gehagelt. .. So hatte ich dann also mein erstes Lob direkt nach dem Aussprechen meiner Kündigung erhalten.
Immerhin.

Es ist übrigens nicht so, dass es nichts zu loben gegeben hätte – auf meiner Position zählte ich zeitweise zu den besten 1% in Deutschland.

Anekdote 2 – “für das Geld macht das ja keiner”

Ich hatte meinen Leitungsposten gekündigt und für die Suche nach einem Nachfolger*in wurde ein Unternehmensberater ins Haus geholt. Der wollte sich nun gern mit mir über dies und das unterhalten und fragte mich dann auch, was ich denn eigentlich monatlich verdient hatte. Ich nenne ihm die Summe (mein Gehalt hatte sich in den letzten 5 Jahren nicht verändert, obwohl sich der Umsatz in dieser Zeit verdreifacht hatte) und er sagte dann zu mir: “…ach so, nee, da müssen wir mindestens das 1,5-Fache zahlen, für das Geld macht das ja keiner…”. Ich staune heute immer noch über diese Situation. #equalpay

Bei der neu gefundenen Leitungsperson handelte es sich dann übrigens um einen Mann. Damit wären wir dann auch direkt beim Thema #genderpaygap.

Anekdote 4

coming soon

“Folge deinen Träumen – sie kennen den Weg.”